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Pater Fritz Köster
Propsteistraße 2
56154 Boppard-Hirzenach
Alles Leben ist Herausforderung,
welche nach Antwort verlangt.
   
Bild: Pater Fritz Köster SAC.

Weihnachten 2011. Friede auf Erden? Woran der Friede scheitert.

Dezember 2011

Weihnachten: das Fest der Geburt Jesu! Es wird gegenwärtig in der Welt von ca. zwei Milliarden Menschen gefeiert. "Gott ist Mensch geworden!" sagen sie. Besser sollten sie sagen: Er ist Kind geworden! Gott sendet seinen Boten nicht als "Super-Man", nicht als "Jesus Christus Super-Star". Wer so redet, verkehrt Weihnachten in sein Gegenteil. Als Kind kam Gott in die Welt. Dazu in äußerste Armut und in einfachste Verhältnisse. Warum sendet Gott ein Kind als seinen Boten? Um uns an unsere eigene (süße) Kindheit zu erinnern; an unsere eigene Geburt in eine Welt und Umwelt hinein, die wir uns nicht haben aussuchen dürfen?

Humanwissenschaftler und Psychologen würden heute sagen: Gott kam als Kind, weil auch wir als Kinder geboren werden und das ganze Leben lang nicht aufhören, Kind zu sein. Das heißt: kindliche Verhaltensweisen tragen wir unser ganzes Leben lang wie Gepäckstücke, wie Erbstücke mit uns herum. Wir werden sie bis zum Ende beibehalten. Deshalb die Fragen, was das Kindsein ausmacht; welches die Verhaltensweisen, die "Gepäckstücke" sind, die es im Leben mit sich herumschleppt?

  • Ein Kind spielt gerne. Wir Erwachsene auch. In unserer Freizeit füllen wir Sportstadien, spielen mit Bällen und Karten, mit Händen und mit Füßen. Nichts hat mehr Priorität als Spiel und Sport.
  • Ein Kind zankt gerne. Wir Erwachsene auch: in unseren Ehen und Familien, in unseren Hochhäusern und Nachbarschaften, zwischen Staaten und Religionen. Wenn wir Europäer uns auch rühmen, dass es seit über 60 Jahren keinen Krieg bei uns gegeben hat, so bleibt doch wahr: Überall, im Großen und im Kleinen, herrschen Zank und Streit. Seit Jahrtausenden bringen es Menschen und Staaten nicht fertig, dem Unfrieden ein Ende zu setzen. Wir Christen beten in unseren Gottesdiensten: "Gott, laß die Völker und Religionen in Einheit und Frieden zusammenwachsen! Dass dir das nicht gelingt – dafür sorgen wir schon!"
  • Ein Kind baut mit Klötzen gerne Türme und Burgen. Wir Erwachsene auch. Seit wenigen Jahrzehnten bauen wir das große Europa, EU genannt. Mit einer einzigen Währung, Euro genannt. Wie bei einem Kind der Turm aus Klötzen beim kleinsten Fehlgriff zusammenfallen kann, so sehen viele auch das schnell erbaute Haus Europas am Zusammenbrechen – wie der Turm zu Babylon. Seit Monaten sprechen die Medien von Wirtschaftskrise, Europakrise, Währungskrise… Wir verfolgen täglich die Maßnahmen, die kluge Leute vorschlagen, um die Probleme zu lösen. Einmal so, dann wieder anders. Jeder will der beste "Experte" sein. Wenn ich diese Spielchen seit Monaten beobachte, denke ich, man müsse diesen "Kindern" die Pampers wechseln. Sie haben uns den Mist eingebrockt; sie sollen ihn auch ausräumen.
  • Kinder konkurrieren gerne. Sie passen genau auf, welche Kleider und Markenartikel die anderen tragen. Sie müssen es den anderen gleichtun. Die Erwachsenen sind genauso. Sie konkurrieren beim Sport, am Arbeitsplatz, beim Autokauf… Äußere Statussymbole sollen der Welt vor Augen führen, wie wichtig sie sind. Jeder will der Beste sein, will als "Experte" gehört werden. So entsteht der Kampf auf allen Ebenen der Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der Nächste.
  • Kinder malen gerne. Sie sind stolz auf ihren Malkasten und den gelungenen Regenbogen. Wenn ich mir in der jetzigen Weihnachtszeit die unterschiedlichen Farben an den Häusern und an den Weihnachtsbäumen anschaue, dann ist leicht festzustellen, wer als Kind schon einmal die Komposition der Farben gelernt hat; welche Farben zusammenpassen oder auch nicht. Viele wissen nichts von der Farbenlehre Goethes. Deshalb sind auch die Farben am grünen Weihnachtsbaum beliebig. Manchmal eher Kitsch als Farbe.
  • Kinder machen sich gerne ihren Teller mit Lieblingsspeisen übervoll. Wir Erwachsenen kaufen auch im Übermaß, um nach den Festen und Feierlichkeiten eine große Menge Nahrungsmittel in die Mülltonne zu werfen. Viele denken kaum daran, dass zur gleichen Zeit ca. 2 Milliarden Menschen auf der Welt hungern. Sie wären glücklich, hätten sie am Tag ein paar Bananen oder ein Handvoll Reis.
  • Jungen spielen gerne Soldaten mit Panzern und Gewehren. In der Freude am Krieg setzen wir Erwachsenen das Spiel mit Panzern und Gewehren fort. Oder wir helfen anderen dazu. In der Rüstungsindustrie gibt es keine Arbeitslosen. Es finden sich in der ganzen Welt immer wieder Kriegstreiber und Machtbesessene, die die Massen mobilisieren. Und der Kriegsruf bleibt immer derselbe: Führer befiehl, wir folgen dir!
  • Kinder lassen sich gerne an die Hand nehmen und führen. Man sieht sie oft, wenn sie mit Oma oder Opa auf Straßen und Plätzen gehen. Dabei ist schwer auszumachen, wer stolzer ist: der Opa oder das Kind? Auch im Erwachsenenalter lassen wir uns gerne führen und verführen: durch Sonderangebote auf dem Markt, durch Gutscheine und Gratisverlosungen der Geschäfts- und Wirtschaftswelt. Wer sich so oder so führen lässt, braucht selbst nicht zu denken. Im Religiösen wimmelt es heute von falschen Propheten, die alle (un)mögliche Versprechungen machen. Jesus hat schon vor ihnen gewarnt.

Verhaltensweisen unserer Kindheit bestimmen uns, wie wir an Beispielen sehen, bis ins hohe Alter. Deshalb müsste es im Evangelium heißen: Bleibt wie die Kinder! Aber Jesus sagt: "Werdet wie die Kinder" (Mt. 18.3). Warum? Weil mit dem Älterwerden Erwachsenen-Eigenschaften zu denen der Kindheit hinzukommen. Diese können sehr konstruktiv und positiv sein: die Personwerdung des Menschen, seine Eigenständigkeit, seine schöpferische Begabung und Kraft... Sie alle haben zu vielen Zeiten eine hohe Kultur in Kunst, Musik, Philosophie und Religion möglich gemacht. –

Andere Erwachsenen-Eigenschaften können sich aber auch sehr negativ auswirken. Sie heißen: Rechthaberei, Stolz und Arroganz, Ehrgeiz und Ehrgefühl, Dünkel und Machtbesessenheit, Wahrheitsfanatismus, Überlegenheitsanspruch..... In Verbindung mit den Kinder-Eigenschaften werden sie ein giftiges Gemisch, welches die Umwelt zerstört und nicht viel Gutes wachsen lässt: weder im Zusammenleben der Menschen noch im Zusammenleben der Völker und Rassen. Giftige Sprengstoffe machen den Frieden unmöglich.

Deshalb heißt es: Werdet wie die Kinder: klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben (Mt 10.16). Das geht aber nur, wenn der wilde Wucher von Eigenschaften überwunden wird, der sinnvolles und persönlich verantwortetes Leben verhindert. Weihnachten, die Geburt eines Kindes, ist dafür da zu fragen, wie es kommt, dass das Kind von Bethlehem über 2000 Jahre lang Spuren des Heils in der Welt hinterlassen hat. Die Folge für uns alle müsste sein, in seine Fußstapfen zu treten.


Letzte SeitenÄnderung: 09.11.2011.
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