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Weihnachten 2011. Friede auf Erden? Woran der Friede scheitert.
Dezember 2011
Weihnachten: das Fest der Geburt Jesu! Es wird gegenwärtig in der Welt
von ca. zwei Milliarden Menschen gefeiert. "Gott ist Mensch geworden!" sagen
sie. Besser sollten sie sagen: Er ist Kind geworden! Gott sendet seinen
Boten nicht als "Super-Man", nicht als "Jesus Christus Super-Star". Wer so
redet, verkehrt Weihnachten in sein Gegenteil. Als Kind kam Gott in die
Welt. Dazu in äußerste Armut und in einfachste Verhältnisse. Warum sendet
Gott ein Kind als seinen Boten? Um uns an unsere eigene (süße) Kindheit zu
erinnern; an unsere eigene Geburt in eine Welt und Umwelt hinein, die wir
uns nicht haben aussuchen dürfen?
Humanwissenschaftler und Psychologen würden heute sagen: Gott kam als Kind,
weil auch wir als Kinder geboren werden und das ganze Leben lang nicht
aufhören, Kind zu sein. Das heißt: kindliche Verhaltensweisen tragen wir
unser ganzes Leben lang wie Gepäckstücke, wie Erbstücke mit uns herum. Wir
werden sie bis zum Ende beibehalten. Deshalb die Fragen, was das Kindsein
ausmacht; welches die Verhaltensweisen, die "Gepäckstücke" sind, die es im
Leben mit sich herumschleppt?
- Ein Kind spielt gerne. Wir Erwachsene auch. In unserer Freizeit füllen
wir Sportstadien, spielen mit Bällen und Karten, mit Händen und mit Füßen.
Nichts hat mehr Priorität als Spiel und Sport.
- Ein Kind zankt gerne. Wir Erwachsene auch: in unseren Ehen und
Familien, in unseren Hochhäusern und Nachbarschaften, zwischen Staaten und
Religionen. Wenn wir Europäer uns auch rühmen, dass es seit über 60 Jahren
keinen Krieg bei uns gegeben hat, so bleibt doch wahr: Überall, im Großen
und im Kleinen, herrschen Zank und Streit. Seit Jahrtausenden bringen es
Menschen und Staaten nicht fertig, dem Unfrieden ein Ende zu setzen. Wir
Christen beten in unseren Gottesdiensten: "Gott, laß die Völker und
Religionen in Einheit und Frieden zusammenwachsen! Dass dir das nicht
gelingt – dafür sorgen wir schon!"
- Ein Kind baut mit Klötzen gerne Türme und Burgen. Wir Erwachsene auch.
Seit wenigen Jahrzehnten bauen wir das große Europa, EU genannt. Mit einer
einzigen Währung, Euro genannt. Wie bei einem Kind der Turm aus Klötzen
beim kleinsten Fehlgriff zusammenfallen kann, so sehen viele auch das
schnell erbaute Haus Europas am Zusammenbrechen – wie der Turm zu Babylon.
Seit Monaten sprechen die Medien von Wirtschaftskrise, Europakrise,
Währungskrise… Wir verfolgen täglich die Maßnahmen, die kluge Leute
vorschlagen, um die Probleme zu lösen. Einmal so, dann wieder anders.
Jeder will der beste "Experte" sein. Wenn ich diese Spielchen seit Monaten
beobachte, denke ich, man müsse diesen "Kindern" die Pampers wechseln. Sie
haben uns den Mist eingebrockt; sie sollen ihn auch ausräumen.
- Kinder konkurrieren gerne. Sie passen genau auf, welche Kleider und
Markenartikel die anderen tragen. Sie müssen es den anderen gleichtun. Die
Erwachsenen sind genauso. Sie konkurrieren beim Sport, am Arbeitsplatz,
beim Autokauf… Äußere Statussymbole sollen der Welt vor Augen führen, wie
wichtig sie sind. Jeder will der Beste sein, will als "Experte" gehört
werden. So entsteht der Kampf auf allen Ebenen der Gesellschaft. Jeder ist
sich selbst der Nächste.
- Kinder malen gerne. Sie sind stolz auf ihren Malkasten und den
gelungenen Regenbogen. Wenn ich mir in der jetzigen Weihnachtszeit die
unterschiedlichen Farben an den Häusern und an den Weihnachtsbäumen
anschaue, dann ist leicht festzustellen, wer als Kind schon einmal die
Komposition der Farben gelernt hat; welche Farben zusammenpassen oder auch
nicht. Viele wissen nichts von der Farbenlehre Goethes. Deshalb sind auch
die Farben am grünen Weihnachtsbaum beliebig. Manchmal eher Kitsch als
Farbe.
- Kinder machen sich gerne ihren Teller mit Lieblingsspeisen übervoll.
Wir Erwachsenen kaufen auch im Übermaß, um nach den Festen und
Feierlichkeiten eine große Menge Nahrungsmittel in die Mülltonne zu
werfen. Viele denken kaum daran, dass zur gleichen Zeit ca. 2 Milliarden
Menschen auf der Welt hungern. Sie wären glücklich, hätten sie am Tag ein
paar Bananen oder ein Handvoll Reis.
- Jungen spielen gerne Soldaten mit Panzern und Gewehren. In der Freude
am Krieg setzen wir Erwachsenen das Spiel mit Panzern und Gewehren fort.
Oder wir helfen anderen dazu. In der Rüstungsindustrie gibt es keine
Arbeitslosen. Es finden sich in der ganzen Welt immer wieder Kriegstreiber
und Machtbesessene, die die Massen mobilisieren. Und der Kriegsruf bleibt
immer derselbe: Führer befiehl, wir folgen dir!
- Kinder lassen sich gerne an die Hand nehmen und führen. Man sieht sie
oft, wenn sie mit Oma oder Opa auf Straßen und Plätzen gehen. Dabei ist
schwer auszumachen, wer stolzer ist: der Opa oder das Kind? Auch im
Erwachsenenalter lassen wir uns gerne führen und verführen: durch
Sonderangebote auf dem Markt, durch Gutscheine und Gratisverlosungen der
Geschäfts- und Wirtschaftswelt. Wer sich so oder so führen lässt, braucht
selbst nicht zu denken. Im Religiösen wimmelt es heute von falschen
Propheten, die alle (un)mögliche Versprechungen machen. Jesus hat schon
vor ihnen gewarnt.
Verhaltensweisen unserer Kindheit bestimmen uns, wie wir an Beispielen
sehen, bis ins hohe Alter. Deshalb müsste es im Evangelium heißen: Bleibt
wie die Kinder! Aber Jesus sagt: "Werdet wie die Kinder" (Mt. 18.3). Warum?
Weil mit dem Älterwerden Erwachsenen-Eigenschaften zu denen der Kindheit
hinzukommen. Diese können sehr konstruktiv und positiv sein: die
Personwerdung des Menschen, seine Eigenständigkeit, seine schöpferische
Begabung und Kraft... Sie alle haben zu vielen Zeiten eine hohe Kultur in
Kunst, Musik, Philosophie und Religion möglich gemacht. –
Andere Erwachsenen-Eigenschaften können sich aber auch sehr negativ
auswirken. Sie heißen: Rechthaberei, Stolz und Arroganz, Ehrgeiz und
Ehrgefühl, Dünkel und Machtbesessenheit, Wahrheitsfanatismus,
Überlegenheitsanspruch..... In Verbindung mit den Kinder-Eigenschaften
werden sie ein giftiges Gemisch, welches die Umwelt zerstört und nicht viel
Gutes wachsen lässt: weder im Zusammenleben der Menschen noch im
Zusammenleben der Völker und Rassen. Giftige Sprengstoffe machen den Frieden
unmöglich.
Deshalb heißt es: Werdet wie die Kinder: klug wie die Schlangen und
einfältig wie die Tauben (Mt 10.16). Das geht aber nur, wenn der wilde
Wucher von Eigenschaften überwunden wird, der sinnvolles und persönlich
verantwortetes Leben verhindert. Weihnachten, die Geburt eines Kindes, ist
dafür da zu fragen, wie es kommt, dass das Kind von Bethlehem über 2000
Jahre lang Spuren des Heils in der Welt hinterlassen hat. Die Folge für uns
alle müsste sein, in seine Fußstapfen zu treten.
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